Digitale Methoden in der Psychotherapie

Eine Analyse von Smartphone-basierten Tagebuchkarten in der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT)

In der sich rasch wandelnden Landschaft der psychischen Gesundheitsversorgung spielen digitale Innovationen eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Zugänglichkeit, indem sie es Klienten ermöglichen, ihre Fortschritte bequem zu verfolgen und auch außerhalb traditioneller Praxissituationen an der Therapie teilzunehmen. Zudem steigern sie die Effizienz durch automatisierte Erinnerungen und die Erfassung von Daten in Echtzeit und verbessern die Wirksamkeit, indem sie Therapeuten wertvolle Einblicke in das Verhalten und die Emotionen der Klienten im Zeitverlauf liefern. Eine solche Innovation ist der Einsatz von Smartphone-basierten Tagebuchkarten in der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT), einem bekannten und umfassend erforschten Ansatz in der Psychotherapie (1).

Dieses Whitepaper befasst sich mit der Bedeutung von Tagebuchkarten, ihrer großen Beliebtheit und dem Wandel, den die Digitalisierung mit sich gebracht hat, am Beispiel der Zusammenarbeit zwischen der Vacay GmbH und dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim (CIMH).

Was sind Tagebuchkarten und warum sind sie so beliebt?

Tagebuchkarten sind ein unverzichtbares Hilfsmittel in der DBT. Mit diesen Karten können Betroffene ihre Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen und therapeutischen Übungen im Laufe des Tages festhalten. Die Beliebtheit von Tagebuchkarten beruht auf ihrer Wirksamkeit bei der Erfassung und Analyse emotionaler Reaktionen, was in der DBT von grundlegender Bedeutung ist (2).

Tagebuchkarten in der DBT: Eine therapeutische Diskussion

Tagebuchkarten sind nicht nur einfache Instrumente zur Datenerfassung; sie spielen eine zentrale Rolle in DBT-Therapiesitzungen. Patienten und Therapeuten nutzen Tagebuchkarten, um gemeinsam emotionale Muster, Auslöser und Bewältigungsstrategien zu untersuchen. Herkömmliche Tagebuchkarten in Papierform haben jedoch ihre Grenzen.

    • Unordentlich und unübersichtlich: Papierkalenderkarten können schnell unhandlich werden, da man so viele Blätter verwalten muss.

    • Nachträgliches Ausfüllen: Oft füllen Patienten diese Fragebögen erst nachträglich aus, unmittelbar vor ihren Therapiesitzungen. Studien zeigen, wie schwierig es ist, sich im Nachhinein genau an Emotionen zu erinnern (3).

    • Eingeschränkter Überblick: Es ist schwierig, sich einen umfassenden Überblick über emotionale Muster zu verschaffen, die über eine Woche hinausgehen.

Die digitale Transformation: Die Zusammenarbeit von Vacay mit dem CIMH

Da die Vacay GmbH Verbesserungspotenzial erkannte, arbeitete sie mit dem CIMH zusammen, um die Tagebuchkarten zu digitalisieren. Diese Umstellung brachte mehrere wesentliche Verbesserungen mit sich:

    • Effizienz: Digitale Tagebuchkarten lassen sich schneller ausfüllen, was eine umfassendere Datenerfassung in Echtzeit ermöglicht. In Versuchen dauerte das Ausfüllen der digitalen Tagebuchkarte weniger als die Hälfte der Zeit im Vergleich zur Version mit Stift und Papier (2:10 Minuten gegenüber 0:58 Minuten).

    • Erinnerungen: Die Nutzer erhalten E-Mails und/oder Push-Benachrichtigungen auf ihren Smartphones, wodurch die Wahrscheinlichkeit einer nachträglichen Eingabe deutlich sinkt.

    • Bearbeitbarkeit: Nutzer können ihre Antworten den ganzen Tag über bearbeiten, was die Datengenauigkeit erhöht.

    • Echtzeit-Einblicke: Therapeuten haben sofortigen Zugriff auf die Antworten der Patienten und können die Daten mehrerer Wochen anhand grafischer Darstellungen einsehen.

    • Nutzen für die Forschung: Die gesammelten Daten lassen sich problemlos für Forschungszwecke nutzen.

    • Datensicherheit: Sensible Patientendaten werden durch strenge Sicherheitsmaßnahmen geschützt.

Wie funktioniert das?

Schritt-für-Schritt-Anleitung

    • App herunterladen: Patienten laden die Smartphone-App herunter und scannen einen QR-Code, den sie von ihrem Therapeuten oder ihrer Klinik erhalten haben.

    • Dateneingabe: Im Laufe des Tages werden die Patienten daran erinnert, ihre Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen in die digitale Tagebuchkarte einzutragen.

    • Sofortiger Zugriff: Therapeuten können in Echtzeit auf Patientendaten zugreifen, was einen dynamischen Austausch in den Besprechungen des Therapeutenteams und in den Therapiesitzungen fördert.

    • Grafische Einblicke: Visuelle Darstellungen bieten Therapeuten einen umfassenden Überblick über emotionale Muster.

Synergie mit Morpheus

Die digitale Tagebuchkarte von Vacay lässt sich nahtlos in Morpheus integrieren, eine App, die für die dialektisch-behaviorale Therapie entwickelt wurde. Morpheus unterstützt Patienten dabei, Dissoziationen im Rahmen der Selbstbehandlung zu bewältigen, indem es die Expositionssitzungen der Therapie aufzeichnet und stressregulierende Minispiele anbietet. Zusammen sorgen diese beiden Tools für eine effektivere Psychotherapie und verringern den Verwaltungsaufwand. (4)

Nächste Schritte

Da Vacay sich weiterhin für die Förderung der Behandlung psychischer Erkrankungen einsetzt, sind folgende Schritte geplant:

    • Multizentrische Studie: In einer laufenden randomisierten kontrollierten Studie des CIMH Mannheim ist die digitale Tagebuchkarte ein zentraler Bestandteil beim Vergleich einer neuen traumafokussierten DBT mit der Standard-DBT.

    • Verbesserungen der Benutzerfreundlichkeit: Laufende Optimierungen zur Steigerung der Benutzerfreundlichkeit und Verbesserung der Benutzererfahrung.

Einführung in Ihrer Klinik oder Praxis

So setzen Sie dieses innovative Tool in Ihrer Klinik oder Praxis ein:

    • Contact Vacay: Wenden Sie sich an die Vacay GmbH, um die Integration und Schulungen zu besprechen.

    • Anpassung: Passen Sie das Tool an Ihre individuellen Bedürfnisse an.

    • Schulung: Schulen Sie Ihre Therapeuten und Mitarbeiter mithilfe erfahrener Fachleute von Vacay im Umgang mit digitalen Tagebuchkarten.

    • Beobachten und anpassen: Beobachten Sie kontinuierlich die Wirkung des Tools und passen Sie es bei Bedarf an, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Fazit

Die Digitalisierung von Tagebuchkarten in DBT stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung psychischer Erkrankungen dar. Durch die Verbesserung der Effizienz, der Zugänglichkeit und der Datenanalyse hat die Partnerschaft zwischen der Vacay GmbH und dem CIMH einen neuen Standard für die Therapieunterstützung gesetzt. Der Einsatz dieser digitalen Methoden kann Therapeuten unterstützen, den Patienten zugutekommen und zur Weiterentwicklung der Psychotherapie insgesamt beitragen.

Aufbauend auf diesen Fortschritten liegen die Vorteile digitaler DBT-Tagebuchkarten gegenüber papierbasierten klar auf der Hand:

Echtzeit-Zugänglichkeit: Mithilfe digitaler Tagebuchkarten können Patienten ihre Einträge sofort erfassen und aktualisieren, was eine kontinuierliche Einbindung in die Therapie fördert und ein unmittelbares Feedback seitens der Therapeuten ermöglicht.

Mühelose Organisation: Dank digitaler Terminkarten entfällt die Verwaltung von Papierunterlagen, was den Ablauf sowohl für Patienten als auch für Therapeuten vereinfacht und gleichzeitig das Risiko von Verlust oder Verlegung verringert.

Verbesserte Datenanalyse: Durch die automatische Zusammenfassung und Visualisierung von Trends und Mustern in emotionalen Reaktionen im Zeitverlauf ermöglichen digitale Tagebuchkarten Therapeuten, Fortschritte, Auslöser und Bereiche für Interventionen effizienter zu erkennen, was zu individuelleren und wirksameren Behandlungsplänen führt.

Wenn Sie weitere Informationen zur Einführung digitaler Tagebuchkarten in Ihrer Praxis wünschen oder die innovativen Lösungen von Vacay kennenlernen möchten, besuchen Sie bitte unsere website oder wenden Sie sich an unser Team.

 

References

  1. Laursen SL, et al. Economic Evaluation: A Mobile Diary App versus Paper-based Diary Cards for Patients with Borderline Personality Disorder. J Med Internet Res. 2021 Mar 17.
  2. Valentine SE, et al. The use of dialectical behavior therapy skills training as stand‐alone treatment: A systematic review of the treatment outcome literature. J Clin Psychol. 2015 Jan;71(1):1-20.
  3. Levine LJ, et al. Remembering and Misremembering Emotions. Oxford University Press eBooks. 2006 Mar 30;271–90.
  4. Bohus M, et al. A research programme to evaluate DBT-PTSD, a modular treatment approach for Complex PTSD after childhood abuse. Borderline Personal Disord Emotion Dysregul. 2019;6:7. doi: 10.1186/s40479-019-0099-y.

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